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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Modellschulprojekt GeMiS - Gender, Migration und Schule

Interessenförderung, Gender- und Kultursensibilisierung durch Lehrerfortbildung im Bereich Mathematik

Problemstellung

Fachbezogene Interessen sind von zentraler Bedeutung für die schulische Entwicklung. Interessengeleitetes Lernen gilt als wichtige Voraussetzung für die Nachhaltigkeit von Lernprozessen (Schiefele 2000, S. 230). Innerhalb der fachbezogenen Interessenpräferenzen von Schülerinnen und Schülern existieren allerdings massive geschlechtsspezifische Differenzen. Während Mädchen ein eher geringes Interesse am so genannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) haben, sind Jungen nur sehr wenig am sprachlich-humanwissenschaftlichen Bereich interessiert (Stanat & Begann 2009, S. 520). Geschlechtsspezifische Diskrepanzen in Leistungsmustern und in der Interessenentwicklung in einzelnen Schulfächern führen im weiteren Verlauf zu geschlechtsstereotypen Tendenzen bei der Kurswahl in der gymnasialen Oberstufe (Roeder & Gruehn, 1996) sowie bei der Wahl von Studienfächern. Eine Studie des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. (2007) legt nahe, dass sich Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund besonders selten zu einer Ausbildung in geschlechtsuntypischen Berufs- und Bildungsbereichen entscheiden. Da gleichzeitig das Risiko mangelnden Schulerfolges bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund vielerorts dokumentiert ist (vgl. Baumert & Schümer, 2001; OECD 2001/2003; Stanat, 2006; Diefenbach, 2006; Herwartz-Emden, 2006), muss bei Zusammenfall geschlechtsspezifischer Interessen und schlechter Schulleistungen von einem kumulierten Risiko für verringerte Teilhabechancen an Bildungs- und Berufswahlprozessen ausgegangen werden. Immer wieder thematisiert wird in diesem Zusammenhang der nachhaltige Einfluss von Lehrerinnen und Lehrern auf die Entwicklung geschlechtsspezifischer Interessenunterschiede bei Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund (z.B. Keller, 1998; Ryter & Schaffroth, 2001; Jungwirth & Stadtler, 2005).

Projekt

Das Projekt „GeMiS-Gender, Migration und Schule - Interessenförderung, Gender- und Kultursensibilisierung durch Lehrerfortbildung im Bereich Mathematik" unterstützt Lehrkräfte in Mathematik bei der Interessenförderung ihrer Schülerinnen und Schüler. Über einen Zeitraum von zwei Jahren (Beginn Herbst 2009) wird die Lehrerfortbildung entwickelt, durchgeführt und evaluiert. Die Fortbildung selbst umfasst sechs Veranstaltungen, die an der Technischen Universität Berlin stattfinden. Jede der sechs Veranstaltungen hat einen eigenen thematischen Schwerpunkt (Alltagsbezogene Aufgaben; Diagnostik und Evaluation; Differenzierung; Gruppenarbeit; Klassenmanagement; Gender- und Kultursensibilisierung im Matheunterricht) und dauert 120 Minuten.

An den Veranstaltungen nehmen 30 Mathematiklehrer aus verschiedenen Schultypen der Sekundarstufe I teil. Dabei geht es in der Fortbildung vor allem um eine Verknüpfung von Theorie und Unterrichtspraxis - die Umsetzung der besprochenen Methoden im Unterricht wird von den Teilnehmenden erprobt und später in der Gruppe reflektiert. Den Lehrkräften soll weiterhin im Rahmen der Fortbildung Vermittlungswissen (Kenntnis populärer Internetportale und Aktionstage) bereit gestellt werden, um ihre Beratungskompetenz im Bereich der Berufsorientierung zu stärken. Die Fortbildung wird evaluiert. Diese Programmevaluation soll zeigen, inwiefern die Ziele des Fortbildungskonzeptes erreicht wurden und nachhaltig die Unterrichtsgestaltung auf Schüler- und Lehrerseite beeinflussen. Vor Beginn der Fortbildung und nach ihrer Beendigung werden mittels Fragebogenerhebung (Schülerfragebogen; Lehrerfragebogen) die Schülerinteressen und Erwartungen der Teilnehmer erfasst.

Das Projekt verfolgt folgende Zielsetzungen:

  • Interessenförderung von Schülerinnen und Schüler am Mathematikunterricht durch Unterstützung der Lehrkräfte bei Unterrichtsentwicklung nach theoretischen Prinzipien zur Steigerung von Schülerinteressen (z.B. Daniels 2008)
  • Vermittlung von Kultur- und Genderkompetenz - Mitwirkenden in Bildungsstrukturen werden stereotypisierende Praxen im Unterricht aufgezeigt
  • Formulierung praxisnaher Empfehlungen zur Unterrichtsgestaltung nach Evaluation des Projektes
  • Förderung von Beratungsstrukturen innerhalb der Schule durch Vermittlungswissen (z.B. zu Beratungsstellen und Informationsportalen bzgl. Praktikumsstellen, Studiengängen und Ausbildungsberufen in „genderuntypischen" Bereichen)
  • Befähigung von Lehrern und Schülern, als aktive Partner in einem kultur- und gendersensiblem Unterrichtsgeschehen zu agieren - Vergrößerung des Spektrums in Frage kommender beruflicher Ausbildungsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schüler

Zusatzinformationen / Extras

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